Darmstadt, den 08. August 2008
Neu entwickelter Magnet für die Beschleunigeranlage FAIR fertig gestellt
Der erste Magnet, der speziell für die zukünftige Beschleunigeranlage FAIR neu
entwickelt wurde, ist fertig gestellt. Der Elektro-Magnet ist supraleitend, hat eine Länge von fast drei Metern und wiegt über drei
Tonnen. Es werden 108 Magnete dieser Art für FAIR benötigt. Ingenieure und Physiker der GSI werden den nun fertig gestellten
Magneten in den nächsten Monaten umfangreichen Tests unterziehen. Wenn diese erfolgreich verlaufen, kann mit der Serienproduktion
begonnen werden. Magnete sind zentrale Komponenten von Teilchenbeschleunigern, mit denen die Teilchen gelenkt und auf Kreisbahnen
gehalten werden.
Für den Einsatz an FAIR liefert der Magnet hohe magnetische Feldstärken von bis zu 1,9 Tesla. Dies ist fast
hunderttausend Mal stärker als das Magnetfeld der Erde, in dem sich eine Kompassnadel bewegt. Die besondere Eigenschaft
des neuen Magneten ist, dass sich sein Magnetfeld in weniger als einer Sekunde kontrolliert hoch- und runterregeln lässt.
Der neue Magnet ist supraleitend und wird deshalb mit flüssigem Helium auf minus 269 Grad Celsius gekühlt, das sind vier
Grad über dem absoluten Nullpunkt.
Ab September werden Ingenieure und Physiker der GSI die Eigenschaften des Magneten über mehrere Monate testen. Dazu haben sie einen eigenen neuen Teststand eingerichtet. Nach den Tests werden sie entscheiden, ob die Serienproduktion der Magnete, insgesamt 108 Stück, beginnen kann.
Der Magnet wurde in den letzten vier Jahren vom JINR (Joint Institute for Nuclear Research) in Dubna / Russland und der
GSI entwickelt. Gefertigt wurde er von der Firma Babcock Noell in Würzburg. Diese Art von Magneten wird innerhalb der
FAIR-Anlage am größten Kreisbeschleuniger eingesetzt werden, der einen Umfang von 1100 Metern besitzt.
Die Aufgabe von Magneten im Kreisbeschleuniger ist es, die Teilchen auf einer Kreisbahn zu halten. Auf der
Kreisbahn durchlaufen die Teilchen eine kurze Beschleunigerstrecke und werden dort bei jedem Umlauf weiter
beschleunigt. Für die Magnete gibt es zwei wichtige Anforderungen. Sie müssen eine hohe Magnetfeldstärke
erreichen, denn je höher das Magnetfeld desto höhere Teilchengeschwindigkeiten lassen sich erreichen.
Außerdem müssen sich die Magnete extrem schnell ansteuern lassen, denn von Umlauf zu Umlauf werden die
Teilchen schneller und dementsprechend müssen die Magnetfelder erhöht werden, bis zu einer Millionen Mal pro Sekunde.
FAIR steht für "Facility for Antiproton and Ion Research". Es ist weltweit eines der größten Forschungsvorhaben für
die physikalische Grundlagenforschung. FAIR ist eine Beschleunigeranlage, die Antiprotonen- und Ionenstrahlen mit bisher unerreichter
Intensität und Qualität liefern wird. Die FAIR-Anlage wird aus acht Kreisbeschleunigern, von denen die beiden größten einen Umfang
von 1100 Metern besitzen, zwei Linearbeschleunigern und rund 3,5 Kilometern Strahlführungsrohren bestehen. Die bereits existierenden
GSI-Beschleuniger werden dabei als Vorbeschleuniger dienen. An FAIR wird eine nie dagewesene Vielfalt an Experimenten möglich sein,
durch die Forscher aus aller Welt neue Einblicke in den Aufbau der Materie und die Entwicklung des Universums, vom Urknall bis heute,
erwarten.
Bildmaterial zum Download:
Neu entwickelter Magnet für die FAIR-Beschleunigeranlage
Neu entwickelter Magnet für die FAIR-Beschleunigeranlage
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64291 Darmstadt
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