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Darmstadt, den 17. November 2006
Element 111 erhält den Namen Roentgenium (Rg)
Festliche Taufe bei der Gesellschaft für Schwerionenforschung (GSI) in Darmstadt,
dem Entdeckungsort des neuen Elements
Das Element 111, das schwerste chemische Element, wurde am Freitag, den 17. November 2006 an der GSI auf den Namen
Roentgenium mit dem chemischen Symbol Rg getauft. Das Element wurde an der GSI in Darmstadt entdeckt. Mit dem Namen wird
Wilhelm Conrad Röntgen, der Entdecker der Röntgenstrahlen und erste Nobelpreisträger für Physik geehrt. Taufpatin war die
Bundesministerin für Bildung und Forschung, Annette Schavan.
Ein internationales Forscherteam um Professor Sigurd Hofmann hatte das Element 111 im Jahr 1994 erstmals nachgewiesen.
Damals wurden in Experimenten an der Beschleunigeranlage der GSI drei einzelne Atome des neuen Elements beobachtet. In weiteren
Experimenten an der GSI und im Beschleunigerlabor RIKEN in Japan konnten seitdem weitere Atome des Elements 111 nachgewiesen werden,
die die Entdeckung zweifelsfrei bestätigten.
Daraufhin hat der internationale Chemikerverband IUPAC* im Jahr 2003 das Element 111 offiziell anerkannt und die GSI als
Erstentdecker aufgefordert einen Namensvorschlag zu machen. Im Jahr 2004 wurde der Name Roentgenium mit dem chemischen Symbol
Rg akzeptiert. Heute, fast auf den Tag genau 111 Jahre nach der Entdeckung der Röntgenstrahlen, wurde das Element 111 auf den
Namen Roentgenium getauft. Roentgenium ist zurzeit das schwerste offiziell anerkannte chemische Element. Es ist 272-mal schwerer
als Wasserstoff.
Das neue Element wurde von Bundesministerin Annette Schavan getauft. "Mit dieser wissenschaftlichen Leistung hat die GSI erneut
und eindrucksvoll ihre internationale Spitzenstellung im Bereich der physikalischen Grundlagenforschung unter Beweis gestellt",
sagte Schavan zur Entdeckung des Elements 111.
Die Taufe des neuen Elements vollzog Ministerin Schavan, indem sie Roentgenium, symbolisiert durch einen Würfel mit der Aufschrift
Rg, an die noch vakante 111. Stelle in ein großes - als Hintergrund aufgebautes - Periodensystem der Elemente einsetzte.
Musikalisch eingestimmt wurden die Besucher durch das Lied "The Elements" gesungen von Tom Lehrer nach einer Musik von Sir
Arthur Sullivan. In dem Lied werden in schneller Abfolge die Namen der über hundert chemischen Elemente vorgetragen. Zeitgleich dazu
lief ein Trickfilm ab, in dem sich passend zum Text - Element für Element - das Periodensystem aufbaute.
Wilhelm Conrad Röntgen, der Namensgeber für das neue Element, entdeckte die nach ihm benannten Strahlen im November 1895 an der
Universität Würzburg. Er erhielt dafür 1901 den ersten Nobelpreis für Physik überhaupt. Wie wir heute wissen, entstehen
Röntgenstrahlen durch atomare Prozesse. Ihre Entdeckung markiert den Beginn der Erforschung der atomaren Struktur unserer Materie
Die Struktur der Materie erforschen, diesem Ziel haben sich über tausend Forscher aus aller Welt verpflichtet, die jährlich an der
Beschleunigeranlage für Ionenstrahlen an der GSI experimentieren. Die Entdeckung und Untersuchung neuer Elemente ist dabei nur ein,
gleichwohl bedeutendes Forschungsfeld im wissenschaftlichen Programm der GSI.
Um das Element 111 herzustellen, müssen die Forscher einen Atomkern erzeugen, der aus 111 Protonen besteht. Denn aus der Anzahl
der Protonen ergibt sich die Elementnummer, die so genannte Ordnungszahl. Deshalb verwendeten die Forscher bei der GSI die zwei
Elemente Nickel und Bismut (früher: Wismut), die zusammen genommen 111 Protonen besitzen. Mit dem 120 Meter langen Ionenbeschleuniger
der GSI beschleunigten sie elektrisch geladene Nickel-Atome, kurz Nickel-Ionen, auf hohe Geschwindigkeiten, etwa 30.000 Kilometer pro
Sekunde. Die Nickel-Ionen schossen sie auf eine dünne Folie aus Bismut. Durch die hohe Geschwindigkeit wird die Abstoßung zwischen den
Atomkernen der beiden Elemente überwunden und sie können zu einem Atom des Elements 111 verschmelzen. Dies geschieht allerdings
extrem selten. Es entsteht im Mittel nur ein Atom Roentgenium in einer knappen Woche. Insgesamt konnte die GSI bisher sechs Atome
des Elements Roentgenium herstellen.
Roentgenium ist nicht stabil. Es zerfällt nach wenigen tausendstel Sekunden und wandelt sich über radioaktiven Zerfall in
mehreren Stufen in andere leichtere Elemente um. Dabei sendet es jeweils ein Alpha-Teilchen aus. Mit einem empfindlichen
Nachweis-Detektorsystem können die Forscher diese ausgesandten Alpha-Teilchen exakt vermessen und erst somit das neue Element
eindeutig identifizieren.
Die Wissenschaftler an der GSI möchten herausfinden, welches das schwerste Element überhaupt ist und wo das Periodensystem endet.
So können sie grundlegende Erkenntnisse über den Aufbau der Materie und die Entstehung des Lebens gewinnen.
Die chemischen Elemente sind die Bausteine aller Stoffe und die Grundlage für unser Leben. Im Universum begann die Entstehung der
chemischen Elemente vor über zehn Milliarden Jahren. Sie vollzieht sich seither im Inneren von Sternen und in gewaltigen
Sternexplosionen. So verdanken auch wir Menschen unsere Existenz den Elementen, die in früheren Generationen von Sternen
geschaffen wurden. Denn wie alle Materie um uns herum, so stammt auch jedes Atom unseres eigenen Körpers aus Sternenstaub und wurde in früheren Sterngenerationen geschaffen.
*IUPAC: International Union of Pure and Applied Chemistry: www.iupac.org
Programmablauf und Rednerliste
Bilder zum Download:
Beschleuniger: Blick in den 120 Meter langen Linearbeschleuniger der GSI. Zur Entdeckung von
Roentgenium wurden mit ihm Nickel-Ionen auf hohe Geschwindigkeiten gebracht und auf eine Bismutfolie in einem Targetrad
(s.u.) geschossen.
Alvarez, 72dpi RGB JPG
Alvarez, 300dpi RGB JPG
Foto: A. Zschau
Targetrad: Das Targetrad bestückt mit hauchdünner Bismut-Folie. Bei Beschuss mit Nickel-Ionen entstanden
innerhalb der Bismutfolie erstmals Atome des Elements Roentgenium. Durch die hohe Aufprallgeschwindigkeit verlassen sie die
Folie und können in einem separaten Detektor (s.u.) identifiziert werden.
Targetrad, 72dpi RGB JPG
Targetrad, 300dpi RGB JPG
Foto: A. Zschau
Detektor: Mit diesem Detektor, im rechteckigen, in der Mitte liegenden Bereich, wurde das Element Roentgenium erstmals nachgewiesen.
Detektor, 72dpi RGB JPG
Detektor, 300dpi RGB JPG
Foto: A. Zschau
Professor Sigurd Hofmann Professor Sigurd Hofmann, GSI. Leiter des internationalen Forscherteams, das Element 111 entdeckt hat.
Prof. S. Hofmann, 72dpi RGB JPG
Prof. S. Hofmann, 300dpi RGB JPG
Foto: G. Otto
Prof. Hofmann am Detektor Sigurd Hofmann beim Einbau des Detektors, in dem das Element 111 zum ersten Mal nachgewiesen wurde.
Detektoreinbau, 72dpi RGB JPG
Detektoreinbau, 300dpi RGB JPG
Foto: G. Otto
Die Gesellschaft für Schwerionenforschung (GSI) in Darmstadt ist ein vom Bund und
dem Land Hessen finanziertes Forschungszentrum der Grundlagenforschung. Sie ist Mitglied der
Helmholtz-Gemeinschaft. Der Bau und Betrieb von Beschleunigeranlagen sowie die Forschung mit
schweren Ionen sind Aufgabe der rund 1050 Mitarbeiter. Jährlich kommen über 1.000 Wissenschaftler,
denen die GSI ihrer Aufgabe entsprechend, den Zugang zur ihren Forschungsanlagen ermöglicht. Die
GSI verfügt über eine hervorragende und weltweit einmalige Beschleunigeranlage für Ionenstrahlen.
Das Forschungsprogramm der GSI umfasst ein breites Spektrum, das von Kern- und Atomphysik über
die Plasma- und Materialforschung bis hin zur Tumortherapie reicht. Die wohl bekanntesten
Resultate sind die Entdeckung von neuen chemischen Elementen und die Entwicklung einer neuartigen
Tumortherapie mit Ionenstrahlen. Mit diesen und einer Vielzahl anderer wissenschaftlicher
Resultate nimmt die GSI eine international führende Position in der Forschung mit Ionenstrahlen
ein. Bis 2015 soll bei GSI das neue internationale Beschleunigerzentrum FAIR für die Forschung
mit Ionen- und Antiprotonenstrahlen entstehen. Dort erwarten Wissenschaftler Antworten auf
grundlegende bisher ungelöste Fragen zum Aufbau der Materie und der Entwicklung des Universums.
Weitere Informationen unter: www.gsi.de/portrait
Gesellschaft für Schwerionenforschung Planckstr. 1 64291 Darmstadt Öffentlichkeitsarbeit
Kontakt: Dr. Ingo Peter Tel: 06159-71-2598 Fax: 06159-71-2991 Email: presse@gsi.de
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