Darmstadt, den 30. Juli 2008
Zum letzten Mal Krebspatienten mit Ionenstrahlen an der GSI behandelt
Zukünftig sind Behandlungen in Heidelberg, Marburg und Kiel möglich
An der GSI sind zum letzten Mal Krebspatienten mit Ionenstrahlen behandelt worden.
In Zukunft werden Patienten in Heidelberg, Marburg und Kiel im klinischen Routinebetrieb behandelt. An der GSI wurden in zehn Jahren
440 Patienten mit Tumoren an Schädelbasis, Rückenmark und Prostata mit großem Erfolg behandelt. Wissenschaftler an der GSI wollen
nun eine Technik entwickeln, um Tumoren in Weichteilen wie Lunge oder Leber bestrahlen zu können und somit die Anwendungsmöglichkeiten
der Therapie zu erweitern.
In den ersten abgeschlossenen klinischen Studien konnten Heilungsraten von 75 bis 90 Prozent, je nach Art des Tumors, beobachtet
werden. Gleichzeitig sind die Nebenwirkungen verschwindend gering. Für die Behandlung an der GSI wird die mehrere hundert Meter große
Beschleunigeranlage benutzt, die für die physikalische Grundlagenforschung konzipiert ist. Für einen klinischen Routinebetrieb hat die
GSI eine maßgeschneiderte Beschleunigeranlage entwickelt, die am Heidelberger-Ionentherapie-Zentrum HIT demnächst den Patientenbetrieb
aufnehmen wird.
Im Rahmen eines Kooperationsvertrags mit der GSI bietet Siemens Therapieanlagen, nach dem Vorbild der Anlage in Heidelberg,
schlüsselfertig auf dem Medizinmarkt an. Die ersten Anlagen an den Universitätskliniken in Marburg und in Kiel befinden sich bereits
im Bau.
Die Behandlung mit Ionenstrahlen ist ein sehr präzises, hochwirksames und gleichzeitig sehr schonendes Therapieverfahren.
Ionenstrahlen dringen in den Körper ein und entfalten ihre größte Wirkung erst tief im Gewebe, hochpräzise in einem nur
stecknadelkopfgroßen Bereich. Sie werden so gesteuert, dass Tumoren bis zur Größe eines Tennisballs Punkt für Punkt millimetergenau
bestrahlt werden können. Das umliegende gesunde Gewebe wird weitgehend geschont. Das Verfahren eignet sich vor allem für tiefliegende
Tumore in der Nähe von Risikoorganen, wie z.B. dem Sehnerv oder dem Hirnstamm.
Projektpartner der Therapie mit Ionenstrahlen an der GSI sind das Universitätsklinikum und das Deutsche Krebsforschungszentrum in
Heidelberg, das Forschungszentrum Dresden Rossendorf und die GSI.
Bildmaterial zum Download:
Blick in den 120 Meter langen Linearbeschleuniger der GSI, der zur Erzeugung der Ionenstrahlen genutzt wird. (Foto: G. Otto)
Das Bild zeigt den Behandlungsplatz am Beschleuniger der GSI, an dem
die klinischen Studien zur Tumortherapie mit schweren Ionen durchgeführt werden. Um den Tumor exakt bestrahlen zu können,
muss der Kopf des Patienten fixiert werden. (Foto: G. Otto)
Gesellschaft für Schwerionenforschung
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64291 Darmstadt
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